Sonntag, 8. November 2009









Der erste Pooltag

27.10.- 01.11.2009 – Stop Over in Johannesburg

Es gab viele Überlegungen, wie wir die Zeit in Johannesburg gestalten wollten.Freunde und andere Reisenden erzählten, dass Joburg viel zu gefährlich sei, wir uns am Flughafen einen Mietwagen nehmen und aus der Stadt raus fahren sollten. Besonders häufig wurde – gerade von Südafrikanern- „SunCity“ empfohlen: „Mit den Kinder müsst ihr unbedingt nach SunCity“. Ohne große Recherchen, ein Reiseführer für 5 Tage Südafrika ist überflüssig, fuhren wir los. Auf der Fahrt nach Sun City half uns Wikipedia dann doch ein wenig auf die Sprünge. Sun City liegt ca. 2-3 Std. von Joburg entfernt und ist das Las Vegas von Südafrika. Ein Entertainment Park mit allen Möglichkeiten. In jedem Hotel stehen hunderte Spielautomaten und die Jetons rattern von abends spät bis morgens früh ununterbrochen – und tagsüber natürlich ebenso. An den Automaten sahen wir jung und alt – vor allem viele Rentner in der Hoffnung auf eine Zusatzeinnahme.Der totale Kulturschock nach 3 Wochen Namibia. Nicht unbedingt unser Geschmack.

Das Frühstücksbuffet ist eine Erwähnung wert: es gab zwar morgens noch keine Pommes, aber bei sommerliche Atmosphäre – ein leichter Wind weht und bringt frische Luft – fanden sich auf 20 Meter verteilt alle nur vorstellbaren internationalen Frühstückstücksdelikatessen. 8 verschiedene Saftsorten, chinesisches Frühstück mit Räucherfisch, eingelegtem Fisch, Gewürzen, Soßen und Reis; daneben indisches Frühstück mit diversen warmen Gerichten; gefolgt von einer einladenden, sehr dekorativ angelegten Obstauswahl mit Litschifrüchten, Papayascheiben, Mangoschnitten oder Orangenscheiben, mal als Sorbet und mal als ganze Frucht. Fehlen darf natürlich auch nicht das continental breakfast mit bacon and egg. Und last but not least der weltweit geliebte Pfannenkuchen mit Honig, Zucker und Zimt oder chocolat. Ein Frühstücksbuffet als Mikrokosmos: So viele Menschen aus aller Welt im selben Moment friedlich beim Frühstück. Wir sehen viele Inder in ihre schicken Saries gekleidet. Geschäftsleute aus Südafrika oder kräftige Südafrikanerinnen, die sich in enge Hosen zwängen, um den westlichen Modestandards gerecht zu werden; Viele Japaner und Koreaner und natürlich Europäer drängen sich um das Buffet, um noch einen Nachschlag zu nehmen und um ein weiteres Omelett oder ein Spiegelei bitten. Kein Wunsch bleibt unerfüllt. Und wir mittendrin mit unseren drei Blondchen in der kulinarischen und kulturellen Vielfalt des Lebens. Der pure Luxus. Gute 2 Stunde sitzen wir und beobachten das Treiben. Die Mädels nehmen es gelassen und essen inzwischen Naam Brot (indisches Brot) und Spiegelei parallel. Viele Farbige versuchen mit den Mädels Kontakt aufzunehmen. Vor allem die blonden Locken von Alexia und Antonia haben es ihnen angetan. Jetzt so ein richtig guter Café Latte ... das Einzige was bei diesem Buffet fehlt.

Unser Hotel hat einen Riesenpool und einen schick angelegten Golfplatz, um den wir morgens nach Wochen des Müßiggangs joggen gehen. Leider reicht unser Golfwissen bekanntermaßen nicht weit, aber es finden offensichtlich viele internationale Golfturniere auf diesem Platz statt und laut Hall of Fame des Clubs hat Bernhard Langer hier zweimal in den 70iger Jahren gewonnen. Zudem legen wir zur Freude der Mädchen unseren ersten reinen Pooltag auf dieser Reise ein.Auch eine Krokodilfarm befindet sich auf dem Gelände, die wir nachmittags besuchen und wo wir der beeindruckenden nachmittäglichen Fütterungssession beiwohnen. Angeblich klappen die Krokodile bei Bedarf ihr Maul mit einer Kraft von 3,5 Tonnen zu, ein Kraftaufwand, der für das satt bleiben jedoch nur einmal die Woche erbracht werden muss. Unzerkaut wird das jeweilige Opfer dann geschluckt. Interessant für den Eventualfall in der Natur: laufend kommt das Krokodil auf eine Höchstgeschwindigkeit von bis zu 30km/h, beruhigenderweise jedoch nur für kurze Zeit. Wie der besorgte Guide uns augenzwinkernd mit auf den Weg gab, müsse man jedoch bei der Flucht auf den nächsten Baum, wenn sie denn gelingen sollte, darauf achten, dass hier nicht gerade ein Leopard im Baum schläft.

Nur partiell beeindruckt von den vielen Krokodilen klärten Nicoletta und Alexia auch gleich noch einige Fragen der Internationalität:

Alexia: „Ich finde so viele farbige Menschen auf einmal nicht schön, aber witzig ist, dass sie weiße Füße (hier meinte sie Fußsohlen) haben. Ob Mami auch mal so braun wird?“

Nicoletta: „Und die Farbigen haben nur schwarze Haare. Die weißen Menschen haben doch auch nicht nur blonde Haare.“ Soviel zum Thema Völkerverständigung in jungen Jahren.

Nach einer weiteren ausgiebigen Poolsession verließen wir nach 2 Tagen SunCity , um bei Friederike – der Schwester unseres Freundes Wilhelm - und Dietrich die weiteren Tage in Joburg zu verbringen. Obwohl etwas in kleinen Schritten von ursprünglich einer geplanten Übernachtung auf schließlich drei Nächte vorgearbeitet, wurden wir super herzlich aufgenommen. Friederike punktete sofort bei den Mädels, denn es gab home made POMMES zum Abendbrot. Für die Erwachsenen gab es ausreichend Sekt und so fühlten wir uns alle sofort angekommen. Zum Leidwesen der Kinder gab es ein Kinderschlafzimmer und ein Elternschlafzimmer. Was wir Eltern davon hielten, soll hier unerwähnt bleiben. Nachdem die 3 Jungs des Hauses aus dem Alter des ständigen Kümmerns raus sind, hatten wir etwas Sorge, ob unsere hin und wieder anstrengenden jungen Damen für stetige Freude sorgen würden.

Doch wir konnten bleiben und durch viele Gespräche mit den Beiden und ihren Besuchern anlässlich des obligatorischen sonntäglichen Barbecue viel über Land und Leute lernen.

Unsere Gastgeber erkundeten bei dem bereits erwähnten Sekt in ebenso herzlicher wie direkter Art die Beweggründe und Ziele unserer Reise, eine Frage, über die wir auch immer wieder neu nachdenken und diskutieren. Einerseits treibt uns die Lust nach dem neuen Unbekannten, nach der Begegnung mit neuen Kulturen und interessanten Menschen. Andererseits wollen wir diese besondere Zeit mit unseren drei Mädels verbringen und den Alltag für eine Zeitlang hinter uns lassen. Reicht das nicht? Vielleicht klingt es simpel, aber wir bemerken bereits jetzt wie wertvoll die gemeinsame Zeit ist. Aber wir ertappen uns durchaus auch dabei, daß uns hin und wieder die vermeintliche Produktivität des Alltags fehlt, an die wir uns im Laufe der Jahre so gewöhnt haben. Aber wir sind uns sicher, dass wir im Laufe der Reise auf weitere „Erkenntnisse“ stoßen und Erfahrungen machen werden, um all denjenigen unter Euch sowie denen, die wir auf unseren Wegen noch antreffen, sinnvolle Antworten geben zu können auf die Frage nach dem Hintergrund dieses „kalkulierbaren Abenteuers“.

Alexia und Nicoletta schlossen Friederike in ihr Herz und ließen sie gar nicht mehr alleine, was uns manchmal fast ein schlechtes Gewissen machte. Während wir mit Antonia in die Südafrikanische Geschichte tauchten und das Apartheidsmuseum besuchten, blieben Alexia und Nicoletta bei Friederike und profitierten von dem heutigen Südafrika und gingen Perlen einkaufen, um daraus eigene Ketten zu basteln.

Offensichtlich machte Friederike die Abwechslung bei dem sonst reinen Männerhaushalt Spaß und sie kam wenigstens für drei Tage in Genuss von drei Mädels. Mit diesen lässt es sich natürlich auch weit besser einkaufen und über Klamotten nachsinnen als mit Männern. Endlich machte das Einkaufen mal wieder Spaß, wenn es auch nur Perlen zum Kette basteln waren.

Eine wirkliche super Idee von Friederike, auch wenn wir jetzt wieder etwas mehr Gepäck haben. Alle drei Mädels haben viel Spaß daran, wenn sie weiterhin so eifrig Ketten basteln, können wir unsere Reisekasse mit dem Verkauf ein wenig aufzubessern oder wir verschicken sie als Weihnachtsgeschenke nach Deutschland.

Der Besuch im Apartheidsmuseum war sehr intensiv und wir waren froh, das Antonia ihren Mittagsschlaf machte, denn so konnten wir uns durch die vielen Filme, Originalberichte und Artikel arbeiten. Hier wurde uns deutlich vor Auge geführt, welch harte Zeit das Land hinter sich hat und man kann ggf. die heutige politische Ausrichtung etwas besser verstehen. Die Aufbereitung der Geschichte war sehr interessant und lebhaft dargestellt, so dass wir das Museum leicht bedrückt verließen.

Es wird jedoch auch deutlich, dass Südafrika noch lange nicht am Ende der Entwicklung angekommen ist. Die Kriminalität nimmt kontinuierlich zu und die Schere zwischen Reich und Arm wird größer und größer. Die Möglichkeit eines Überfalls wird zum ständigen Begleiter und jeder hier kennt mindestens einen der schon einmal in einen Überfall mit und ohne Schussverletzung verwickelt war.Leider bekamen wir eine geführte Soweto Tour zeitlich nicht mehr organisiert. Dies hätte sicherlich noch sehr dazu beigetragen die Situation des Landes noch besser zu verstehen.

Den neuen „Mädchenclubs“ nutzen wir sehr aus, um uns endlich mal wieder etwas sportlich zu betätigen. Glücklicherweise hat Dietrich vor einigen Jahren die Freude am Radsport entdeckt und so kam Erik in den Genuss, Freitag früh um 4.30 Uhr (!!) aufzustehen, um Dietrichs lokale, um 5.15 startende Radrunde mitzumachen. Eine 20-Mann Gruppe fuhr eine gute und schnelle 90 min Tour durch Johannesburg, zwar recht früh, aber aufgrund aufsteigender Sonne und später einsetzendem Verkehr sinnvoll. Sonnabend ging der Elan gleich weiter mit einer Tennisstunde bei Peter, einem sehr witzigen Inder, der uns mit guten Tricks zu über das Netz gehenden Bällen brachte und regelmäßig punktete, wenn wir im Doppel gegen ihn wieder uneins waren, wer nun für den ankommenden Ball verantwortlich sei. Dann rief er stets in unsere unkontrollierte Laufdynamik „don`t worry, I`ll get it“. Auch Ariane kam in den Genuss einer dynamischen Radeinheit im Stadtverkehr von Johannesburg. Diesmal führte die Route auf den Northhill Watertower. Eine der höchsten Erhebungen von Johannesburg. Der Anstieg wurde mit einem tollen Blick über Johannesburg und die lila blühenden Jakaranda Bäume belohnt. Zum Glück wurde gerade ein wichtiges Rugby Match übertragen und die Strassen waren wie leer gefegt. Eines wurde auf der Fahrt deutlich: Für Haus- und Gartenarchitekte muss Johannesburg ein Traum sein, denn riesige Grundstücke säumten die Strasse und das Klima lässt jegliche Blumen/Pflanzen gedeihen.

Der Sonntag toppte es dann noch, in dem wir mit Dietrich eine 3-stündige Rennradtour durch einen Park etwas außerhalb der Stadt machen konnten. Eine traumhafte Runde, kein Autoverkehr, einige Radfahrer in Vorbereitung auf verschiedenen Rennen, u.a. „94.7“ welches Mitte Nov. in Johannesburg stattfindet.Sport spielt überhaupt eine große Rolle, besonders in der weißen Gesellschaft, sei es Cricket, Rugby, alle Formen von Outdoor Betätigungen, Tennis, alles wird sehr aktiv betrieben. Die üblichen Boarding-Schools pflegen dieses schon sehr früh, was nicht nur das sportliche sondern auch das Gemeinschaftsgefühl fördert. Solche Eindrücke sind tolle Inspirationen und uns ein Ansporn für die Erziehung unser Mädels....

Und dann hieß es auch wieder Abschied nehmen. Wir wären gerne noch einige Tage länger geblieben, denn alle von uns haben die selbstverständliche und unkomplizierte Gastfreundschaft von Friederike und Dietrich sehr genossen und sind ihnen sehr dankbar, dass wir bei ihnen unterschlupfen durften.

2. November – 8.November 2009 – Allein unter Honeymoonern

Unser Flug auf die Seychellen startete mit 1,5 Std. Verspätung um 1.00 morgens von Johannesburg mit dem Ziel Mahe, der Hauptinsel der Seychellen. Etwas übermüdet kamen wir morgens früh an, um dann weitere 3 Std. in einem etwas öden und geschlossenen Kaffee auf unsere Fähre zu warten. Gummibären und Erdnüsse, beides inzwischen stete Begleiter für derartige Durststrecken, hielten uns gut über Wasser. Aber dank der Perlenkästen konnte wir die Mädels bei Laune halten.

Ob und womit der „Hungerast“ gestillt werden konnte, erfahrt Ihr in Kürze!

Herzlichst, Eure reisenden Freunde.




Sun City bei Johannesburg


Wie zuhause


Die neuen Ketten



Jakaranda-Allee



"Radtour bei Johannesburg"



Mittwoch, 28. Oktober 2009











Hallo Ihr Lieben,

und hier kommen die letzten Bilder aus Namibia. Seit 2 Tagen sind wir nun in Südafrika und sind direkt nach Sun City in der Nähe von Johannesburg gefahren. Eine Mischung aus Las Vegas, Disney World und Legoland. Offensichtlich das Vergnügungsmekka von Südafrika. Jeden den wir nach Tipps für Johannesburg fragten, sagte Sun City sei ein "Must have". Ein kleiner Kulturschock nach 4.450km durch Namibias Einsamkeit. Dennoch haben wir hier einen herrlichen Pooltag mit ausgiebiger Schuleinheit für Nicoletta eingelegt. Im "Sachkundeunterricht" stand dann am Nachmittag noch der Besuch einer Krokodilfarm auf dem Programm. Morgen geht's dann zurück nach Johannesburg.

Auf bald Eure 5 Massmänner









Rastplatz - immer im Schatten
Was waren deine Lieblingstiere in Namibia, Alexia:
Watzenschweine und Löwen; Watzenschweine sahen
wir zuhauf am Straßenrand
Unsere Luxusvilla im Mushara Bush Camp
In jedem Zelt ist Platz für 5...
Mushara Bush Camp
Das erste Geburtstagständchen am 24.10. für
Nicoletta

24.10.2009 -Birthday Party für Nicoletta

Geburstag ist schön....
Und der 2. Chor am Abend


Sie lebe hoch!

Müllsammelaktion vorm Etosha Nationalpark
Immer fröhlich!
Unser Bungalow im Etosha Safari Camp
Inspirationen für den Wohnungsbau...

Tschüss Namibia

Montag, 26. Oktober 2009



"Singende Steine"











18.-25.10.2009 - Ein wenig „Out of Africa“ Feeling

On the road again – heute liegt nur ein kleiner „Schotterpistenschlag“ vor uns. Unser Ziel ist die „Immenhof-Farm“, mit 180 km quasi ein Katzensprung. In Immenhof angekommen – eigentlich erwarteten wir Heidi Brühl hier – trafen wir auf alten deutschen Adel, der bereits seit 5 Generationen in Namibia lebte. Zunächst etwas steif und so ganz anders als in der vorherigen Unterkunft, war Dank Baraufenthalt und fachlichem Austausch zwischen Opi Eberhard und Hausbesitzer Friedhelm auch hier schnell Freundschaft geschlossen. Die Abendsafari führte uns über die 5.000qm große Farm (eher klein für namibische Verhältnisse), wobei die Tiervielfalt aufgrund eines heraufziehenden Gewitter reduziert war. Dafür sahen wir versteinerte Elefantenspuren, musizierten zur Freude der Kinder auf „singenden“ Steinen, die wohl vor tausenden von Jahren den Ovambos als Musikinstrumente dienten, sahen ähnlich alte Felsmalereien und konnten ein heraufziehendes Gewitter am Horizont beobachteten , welches jedes Gewitter in europäischen Gefilden in den Schatten stellte. Die anschließende gemeinsame Abendmahlzeit mit der Familie in der guten Stube war etwas skurril, das Essen aber wie so oft, sehr gut.

Am nächsten Morgen ging es nun endlich in Richtung Etosha Nationalpark. Für drei Tage wohnten wir im Etosha Safari Camp – eine Location, die uns in die afrikanische Fröhlichkeit eintauchen ließ. Tolle Malereien an den Wänden, fröhliches Personal und jeden Abend Tanz und Gesang am Lagerfeuer. Die „Doppelzimmer“ waren in kleinen freistehenden Bungalows wildromantisch inmitten üppiger Buschsavanne angesiedelt. Im Schutz der Moskitonetze und bei Taschenlampenbeleuchtung lagen wir abends im Bett, lasen „Tippi aus Afrika“ vor oder lauschten den diversen Buschgeräuschen.

Die nächsten 3 Tage gingen wir auf „Löwen- und Elefantenjagd“. Bei täglichen Pirschfahrten im liebgewordenen VW-Bus erkundeten wir den Nationalpark und wurden nicht enttäuscht. Gefühlte Millionen von Zebras, Springböcke, Kudus, Strauße und Gnus zogen an uns vorbei und ließen sich nicht von uns stören. Giraffen kreuzten die Strasse und flanierten über die weite Steppe, Elefanten weidet am Straßenrand - Bilder, die wir nicht so schnell vergessen werden. Eines Abends wurde unsere Geduld ganz besonders belohnt – an einer Wasserstelle trafen wir den „Könige der Savanne“ – 9 Löwen auf einen Schlag. Zunächst sahen wir nur drei Löwinnen, die sich gemächlich in der Abendsonne aalten; etwas abseits entdeckten wir anschließend ihre 4 Löwenbabies, die vorsichtig die nahe Umgebung erkundeten. Völlig in die Beobachtung dieser Tiere versunken, verpassten wir zunächst des Familienoberhauptes. Von der Abendsonne angestrahlt betrat er „seine“ Bühne, schritt erhobenen Hauptes zur Wasserstelle, beäugte seine Zuschauer – inzwischen hatten sich einige Autos an der Wasserstelle eingefunden- und legte sich nieder, um seinen Durst zu stillen. Anschließend schritt er gemächlich zu seinen Frauen. Ein gelungener Auftritt, der uns Gänsehaut bereitete und ein absolutes Highlight für uns war!

Nach drei gelungenen Tagen im Westen der Etoshapfanne zogen wir pünktlich zu Nicolettas Geburtstag in eine sehr luxuriöse neue Location um, das neu erbaute Mushara-Bush Camp, das sich als extrem kinderfreundlich herausstellte. Auch hier wurden wir wieder herzlichst aufgenommen. Mit eigener Kinderspielecke, Spielplatz, Kinderpool und toller Zeltunterkunft erlebten wir einen schönen Kindergeburtstag. Nicoletta wurde sehr verwöhnt und bekam bereits zum Frühstück ein Geburtstagsständchen vom Personal sowie Geschenke. Den Vormittag verbrachten wir mit Poolparty und Topfschlagen sowie Einweisung in ihren neuen, pinken Fotoapparat. Zum Abschluss unseres Etosha Aufenthaltes gönnten wir uns eine Safari mit Guide. Der einzige weibliche Tour Guide des Nationalparks war der Hit und so hatten wir das Glück, zum Abschluss dieser sehr tierreichen Zeit noch einmal eine Elefantenherde mit 14 Elefanten zu Gesicht zu bekommen. Zum Sonnenuntergang sahen wir diese Herde noch einmal und auch eine Hyäne im Licht der untergehenden Sonne stellte ein unerwartetes Highlight dar. Zum Abendessen sang die gesamte Hotelbelegschaft (15 Mann hoch) Nicoletta noch ein Geburtstagständchen und überreichten ihr einen sehr leckeren Geburtstagskuchen. Nicoletta hat den Tag sehr genossen, legte aber Wert auf unser Versprechen, dass es bei Rückkehr noch eine richtige Kindergeburtstagsparty geben wird.

25. Oktober 2009 –Die Weiterreise naht!

Am 26.10 brachen wir zu unserer letzten Etappe auf. 540 km zurück nach Windhoek. Geradezu ein Kinderspiel, da die gesamte Strecke asphaltiert war. Gegen frühen Abend trafen wir in der Pension Palmquell ein. Am nächsten Morgen trat Opi Eberhard bereits seine Heimreise nach Berlin an und wir verbrachten unseren letzten Tag in Namibia mit baden im Pool sowie einem gemütlichen Bummel durch die recht überschaubare Innenstadt von Windhoek. Bei Eis, Waffeln und Kaffee feierten wir die Geburt der Cousine und Nichte, denn am 26.10 vormittags wurde Tilda Marie, das erste Kind von Arianes Schwester Franziska und Benjamin, in Hamburg geboren.

Bevor wir die Rucksäcke wieder „flugtauglich“ packen, ein kurzes Fazit zu den ersten 3 Wochen unserer Tour:

Namibia ist ein tolles Land und unkompliziert zu bereisen.

Schotterstrassen sind nach Eingewöhnung sehr gut machbar.

Die besten der insgesamt 15 Portionen Pommes gab es in der Etosha Safari Lodge.

Namibia ist extrem gastfreundlich, wir haben nur nette und zuvorkommende Menschen kennengelernt.

Kindergeburtstage im Ausland setzen neue Maßstäbe - Dank an die treuen Gratulanten!

Mit Opi Eberhard lässt sich sehr stressfrei und umkompliziert reisen (hat Spaß gemacht, schön, dass Du dabei warst!)

Studiosus-Reisegruppen und drei kleine Mädchen passen in den Lodges nicht immer zusammen.

Antonia trinkt nun einwandfrei Fanta aus der Dose.

Nicoletta springt vom 1m Brett in den üblicherweise hauseigenen Pool.

Alexia schreibt ihren Namen fehlerfrei auf dem Computer.

Die Mädels haben sich gut an das Vagabundenleben gewöhnt, so dass wir die „Zügel“ wieder etwas strammer ziehen müssen, damit sie uns nicht zu sehr auf der Nase rumtanzen.

Jetzt freuen wir uns auf das nächste Ziel – Südafrika. Beim nächsten Mal lassen wir auf keinen Fall Simbabwe und Botswana aus, wer ist dabei??’

Sonntag, 18. Oktober 2009


Hallo, da sind wir schon wieder.... Schneller als gedacht...

Man glaubt es kaum - wir sind im Bush und online - aber spätestens daran erkennen wir, dass wir in einem 3. Welt Land sind. Die Online-Verbindung/Geschwindigkeit ist nicht mit unseren Verhältnissen zu vergleichen. Deshalb heute nur ein Bild und viel Text. Beim nächsten Mal gibt's neue Bilder.

Opi Peter, congratulations zum Riesenpilz, Pilze gibt's hier nur in der Regenzeit - direkt vom Termitenhügel - sollen sehr lecker schmecken;

Lieber Julius, Victor können wir voll verstehen, dass ihr kommen wollt; Autofahren ist voll cool; beim nächsten Mal gibt's neue Bilder; Morgen fahren wir zu den Elefanten;

Tante Benita,

noch finde ich die Pools etwas kalt, aber spätestens auf den Seychellen steige ich in das Schwimmtraining ein; Sonst geht's mir gut und Mami und Papi passen gut auf mich auf - ein bisschen tanze ich ihnen momentan auf der Nase herum - aber ich befürchte, dass sie das nicht so lustig finden... Liebe Grüße Deine Antonia

Und zum Schluss für alle Karvnevall-Jecken: Die neue Höhner ist raus und in Namibia wird 8 Monate Karnevall gefeiert.... Jeden Monat in einer anderen Region, da geht einiges.... Allaf und Hellau


Eure 5 Massmänner und Opi Eberhard


Sonntag. 11.10 – Sossusvlei, die höchsten Dünen der Welt

Nach dem gestrigen Tag wollten wir uns zunächst nicht schon wieder einer „Ganzkörpermassage“ auf den namibischen Strassen unterziehen und vor allem war keinem von uns nach frühem Aufstehen zumute; 5.30 Uhr wurde empfohlen als Abfahrt zu den großen Sanddünen im Herzen der Namib-Wüste, um einen der meistphotographierten Sonnenaufgänge der Welt mitzuerleben. Schließlich einigten wir uns auf eine Abfahrt um 7.00, für namibische Verhältnisse eine eher normale Zeit, da der Tag in der Regel früh beginnt (Nur als Info, falls jemand mal nach Namibia fährt, wahrlich nicht das ideale Land für Langschläfer....) Von den Mädels hagelte es starke Proteste, aber mit kleineren „Bestechungsmaßnahmen“ bekamen wir diese Unstimmigkeiten in unserer Reisegruppe in den Griff. Der Wärter an der Lodge Ausfahrt verabschiedet uns fröhlich winkend mit den Worten: „The Massmann Kindergarden is leaving... und die Mädels freuten sich. Glücklicherweise wurde wir für unseren Entschluss belohnt, denn die Hälfte der Strecke war asphaltiert. Die Scenery gab das Übrige dazu. Wir kamen erneut in den Genuss eines völlig neuen Landschaftsbildes. Gelbes Steppengras, auf denen Oryxherden weideten vor hohen versteinerten Sanddünen. Am Ende der Asphaltstrasse stiegen wir (gegen ortsübliches, touristisches Aufgeld) in einen 4x4 Drive und wurden in die Sandwüste kutschiert. Als Tourist kann man in Namibia einfach nicht verloren gehen.

... und wieder steckten wir alle im tiefen, roten, feinkörnigen Kalaharisand, unsere Füße und Klamotten färbten sich rötlich – gerade hatten wir den letzten Sand aus den Ritzen entfernt – aber wir haben ja Zeit und sind im Urlaub... Der Aufstieg begann auf eine der ältesten und größten Dünen der Welt. Laut Geologen sollen die Dünen 50 Millionen Jahre alt sein, welches anhand der versteinerten Dünen – jetzt Felsformationen- festgestellt werden konnte. Der apricotfarbende/rötliche Sand wurde vor Millionenjahren ursprünglich aus der Kalahari-Wüste übers Meer und frühere Flüsse angespült und ins Land getragen. Ein Weg über mehrere 100km, der heute nicht vorstellbar ist.

Der Anstieg auf dem schmalen Grat wurde von allen 5 gut bewältigt. Nicoletta erreicht den Gipfel auf der ca. 300m hohen Düne souverän als erste von uns. Und selbst Antonia überholte eine größere Gruppe Studiosus-Reisender. Der Abstieg war eine herrliche Rutsch- und Funpartie. Wir alle setzen uns auf den Hosenboden und ab ging die downhill-ride, im weichen und warmen Sand. Total eingesaut kamen wir unten an. Erik und Nicoletta kletterten gleich noch mal hoch und wieder ging’s bergab.

Auf der Rückfahrt bewies sich wiederum, dass Kinder nicht eine ewig gleiche und bekannte Umgebung brauchen, um sich wohl zu fühlen. Nicoletta hatte auf dem iPhone die in weiter Voraussicht gespeicherten Weihnachtslieder entdeckt und so wurde fröhlich zu üblicherweise aus anderer Umgebung bekanntem Liedgut im Auto getanzt.

Montag, 12.10 – Nichts los auf Namibias Strassen

Swakopmund ist unser heutiges Ziel. Die Schotterpisten haben uns wieder und wir dachten es könnte nicht einsamer werden. Aber es geht. Es wurde karg und karger und karger. Zunächst kletterte die Strasse sogar einige Pässe hoch und runter. Dann gab’s nicht als Steppe, Steppe und Steppe und das Gras wurde weniger und weniger und schließlich nur Sand, Sand, Sand..... sonst nichts. Kaum zu glauben, bis zum Horizont nur Sand, gefühlt könnten wir auch in den Arabischen Emiraten oder sonst wo sein. Ab und zu treffen wir ein entgegenkommendes Auto, ansonsten nichts, eine Panne wäre blöd jetzt. Kurzer Halt mit Picknick in der kilometerlangen Ebene bei gleißender Sonne, zu unserem Erstaunen bei vollem Handyempfang – in Namibia eher selten der Fall.

Nach ca. 150km passieren wir Salzabbauanlagen und sind plötzlich an der Küste. Sanddünen, Strassen gesäumt von Palmen (Erinnerungen an Dubai werden wach), so erreichen wir unser Tagesziel, das Fishriver Gästehaus in Swakopmund. Zur großen Beruhigung einer Teilgruppe finden wir abends ein nettes Bayview Lokal mit Pommes.

Dienstag, 13.10.2009

Nach dem vielen Sand brauchen wir eine Abwechslung und unternehmen eine Delphin/Whale Watching Tour in Walvis Bay. Auch die Studiosus Freunde sind wieder an Bord. Oft treffen wir andere Reisende, die wir schon von Lodges oder Tankstellen kennen; die diversen Reiserouten entsprechen sich doch letztlich in Bezug auf Highlights und Wege. Und wie überall gibt es nette und stoffelige Weggefährten, die man so antrifft. In den Lodges ist manchmal auch nicht jeder Gast gleich überschwänglich ob seiner Freude, die Großfamilie in der Hütte oder am Abendbrottisch neben sich zu entdecken.

Delphine sehen wir viele, riesige Seehundkolonien können in Ruhe vom Boot aus beobachtet werden. Die Tiere kennen die „Touries“ und wissen was ihnen gefällt. Kaum erschallt der Pfiff der Schiffer weiß der lokale Pelikan, das Feeding-time ansteht; diverse Pelikane und Möwen kommen elegant angeflogen, schnappen sich zur großen Freude der kids im Flug Fische aus deren Hand und landen anschließend elegant auf dem Wasser. Walvis Bay ist der bedeutendste Seehafen Namibias, hier wird viel investiert, um die Region zu fördern. Viele Industrien sind angesiedelt, Fischverarbeitung, Reparatur und Überholung von Bohrinseln aus den Nachbarländern, Container warten auf Be- und Entladung. Von Containerschwemme und nicht vercharterten, herumliegenden Frachtschiffen, deren Anblick man aus Europa kennt, ist hier erfreulicherweise nichts zu sehen.

Mittwoch, 14.10.2009 Deutscher als Deutsch

Das hätten wir nicht gedacht: Ein Stückchen Deutschland am Rande der Wüste und teilweise Deutscher als Deutsch. Viele Gebäude erinnern an die alte Kolonialzeit – Deutsch scheint die Hauptsprache auf der Strasse zu sein, deutsche Buchhandlung, deutsche Apotheke. Die Leute nicht nur in Swakop sprechen häufig lieber deutsch als englisch, auch in den Läden wird man lieber auf deutsch bedient. Die kleine Mall erinnert stark an „Wertheim-Village“. Es ist schon ein komische Gefühl ca. 8.000km entfernt diese „Enklave“ zu entdecken. Vielleicht wären wir nicht so überrascht gewesen, hätten wir uns (noch) besser auf die Reise vorbereitet.... Aber wer barfuss in letzter Sekunde ins Auto springt....

Nichtsdestotrotz, das Leben hier ist beschaulich und das Tempo runtergefahren. Ein Besuch im Heimatmuseum von Swakopmund ist heute unser kulturelles Highlight. Das Gefühl lässt uns nicht los, dass die Zeit hier ein wenig stehen geblieben ist. Es ist interessant, ein wenig mehr Informationen über „Deutsch-Südwest“ zu bekommen, das schadet uns allen nichts. Und die „Reichsflagge“ gibt’s auch noch zu kaufen. Ehrlich gesagt, teilweise gewöhnungsbedürftig, aber absolut nicht miss zu verstehen mit politischer Gesinnung. Auch das Lernen wir hier. Der Spielplatz vor dem Museum ist die entsprechende Entschädigung für die Mädels und Spielplatzgespräche mit reisenden Arbeitssuchenden bringen uns die politischen Verhältnisse des Landes, die Weite Afrikas sowie die „Grenzübertrittsverhältnisse“ Afrikas näher. Angola fällt immer wieder als Beispiel für eines der schwierigeren Länder Afrikas (in Bezug auf Straßenverhältnisse, Politik, Ernährung und überhaupt...)

Donnerstag, 15.10.2009 – Samstag 17.10.2009 – Back to the Countryside

Wir verlassen Swakopmund gen Nordwest und bereits nach 10km hat uns die Wüste wieder. Auf Dauer wäre diese Stadt nichts für uns. Mit Stopover und Picknick im Nationalpark rund um die Spitzkoppe kommen wir auf „Okumitundo“ an. Eine 100 Jahre alte Farm, die seit 2 Generationen im Besitz einer Düsseldorfer Familie und verpachtet ist. Hier verbringen wir zwei entspannte Tage mit außerordentlich netten und fröhlichen Gastgebern und Gästen. Das Pächterehepaar, Cornelius und Daniela (die sowohl erfolgreiche Dressur-Juniorin in Deutschland war, als auch – z.T. in Bayern aufgewachsen – amtierende Faschingsprinzessin der Region ist) zeichnet sich nicht nur durch hervorragend selbstgemachten Käse sondern auch durch extreme Gastfreundschaft aus. Die neue Höhner CD läuft regelmäßig. Karneval wird hier nicht so eng gesehen wie in Deutschland, 8 Monate lang wird jeden Monat in einer anderen Region Hellau und Allaf gerufen. Auch das Oktoberfest wird landesweit gefeiert.

Opi Eberhard kommt zu seinem täglichen Ausritt auf namibischen Hannoveranern, morgens um 7 Uhr trifft sich eine kleine Jogginggruppe, alles fast wie zuhause.

Erstmalig treffen wir auch auf Familien mit Kindern. Nicoletta schließt schnell Freundschaft mit dem 8-jährigen Sohn der Farm und wir sehen sie eigentlich nur zu den Mahlzeiten. Die Farm bietet Bushwalks, Ausritte, Safarifahrten, diverse Vogelgehege, Swimmingpool. Auf der Veranda sitzend oder beim Abendessen unter freiem Himmel bei spannenden Gesprächen mit anderen Gästen, den Farmmanagern oder dem gerade hier weilenden Besitzer der Farm lernen wir einiges über Land und Leute, z.B.

- Den fehlenden Mittelstand in Namibia

- Den Wandel der regierenden SWAPO von einer ursprünglich marxistisch-leninistischen Ausrichtung hin zu einem marktwirtschaftlichen / staatlichen Vorgehen

- Die Haupterwerbsquellen des Landes sind: Diamantenabbau, Urangewinnung, Fleisch- und Fischexport und Tourismus.

- Die Analphabetenquote liegt bei 10%.

- Inzwischen werden viele chinesische Arbeiter nach Namibia „gelockt“, die in den Minen arbeiten.

- Die letzte Wahlbeteiligung lag bei 93% (!!)

- Über 50% der Bevölkerung gehört den Ovambo an, die größtenteils im Norden wohnen.

- Wer seine Ehefrau beschimpft, kann dafür zu einigen Jahren Gefängnis verurteilt werden!

In diesem Sinne Männer seit nett zu Euren Frauen....

Mittwoch, 14. Oktober 2009




ES GEHT LOOS! - Dank einer sensationellen Verbreitung des Internet in Namibia - jetzt die ersten gesammelten Werke - Die BIG FIVE sind wirklich unterwegs - keine Sorge Holger wir haben bis dato nicht gekniffen...

Erstaunlicherweise kommt der seit ca. 3 Monaten avisierte 4. Oktober als Tag der Abreise schneller auf uns zu, als gedacht. Eben, d.h. am Freitag zuvor, hatten wir einen lauschigen Abschiedsabend im Weidebornweg mit vielen Freunden, die wir jetzt erst mal eine Weile nicht sehen. Eine feucht-fröhliche Veranstaltung mit vielen guten gegenseitigen Wünschen, Kolsters blieben bis 3 Uhr morgens. Die letzte Woche galt – neben einer kurzen Stippvisite auf dem Oktoberfest – dem ausräumen und säubern unserer Wohnung, damit die in unserer Abwesenheit Bad Homburg ausprobierenden Desi und Konstantin Stechow es auch ordentlich haben.

Immer auf den letzten Drücker

Am 3.10 war dann die Abfahrt nach stundenlangem hin- und herpacken doch schon um 15 Uhr, so dass – zeitlich optimiert - Erik in letzter Sekunde ins Auto springt und das auch noch ohne Schuhe. Wenn das so weiter geht seht ihr uns entweder erst in einem Jahr oder schon in 2 Wochen wieder... weil wir all’ unsere Flüge etc. verpasst haben.

Dank Stefan Ries erreichen wir den Frankfurter Bahnhof sicher. Mit 86 kg und damit leichtem Übergepäck, welches wir noch bis zum Abflug verlieren müssen, aber erstmal geht es ja mit dem Zug nach München zu Marc, Alexandra, Jacob und Hanna, wo der letzte Tag vor Abflug bei schönstem Herbstwetter verbracht wird. Es fällt uns fast schwer, an solch einem Tag für längere Zeit abzureisen.

Nach diversen Umpackaktionen und Aussortierungsarien mit Hilfe von Alexandra und ihrer Schwester Monika können wir unser Gepäck um zwei Taschen reduzieren und 15 Kilo Ballast abwerfen, u.a. angeblich wichtige Hardcopy Bücher von Erik, überflüssige Medikamente und überzählige Socken bleiben daheim. Was ein guter Finanzer ist, der verzichtet natürlich nicht auf seinen Montblanc Kugelschreiber (wir werden sehen, wie diesem Stift so ein Backpacker Trip gefällt...)

Leicht verspätet, da wir dank Marcs langjähriger Münchner Ortskenntnisse an der Flughafenausfahrt vorbeifahren, erreichten wir den Flughafen München mit genau 71,6 Kilogramm Gepäck (2 große Rucksäcke, 2 Daypacks, 3 Kinderrucksäcke, eine Din A4 Tasche sowie einer Krackse und einem Buggy) und 58 Minuten vor Abflug.

Vor dem Borden treffen wir auf Opi Eberhard, der uns kurz entschlossen die ersten 3 Wochen in Namibia begleitet. Mit fröhlichen Kindern bestiegen wir als letzte das Flugzeug. Viele Passagiere verdrehten die Augen als sie unsere süßen Mädels sahen und dachten: „Hoffentlich gehen diese „Flugmonster“ an uns vorbei...“ Alexia verstärkte dieses Image perfekt indem sie kaum sitzend laut rief: „Papi ich muss Pipi“, aber Antonia konterte und schickte ihr „Ich tu Euch nichts Lächeln“ über die Sitzlehne an die Gäste hinter uns. Der Übernachtflug war unkompliziert, alle Kinder schliefen souverän und die Fluggäste mussten ihr Vorurteil zu mindestens für diesen Flug ad acta legen.

Windhoek begrüßte uns morgens früh um kurz vor 7 mit einem herrlichen Sonnenaufgang und geradezu perfekten Landung. Passkontrolle sowie Autoausgabe gelangen ohne Probleme, dennoch mit entsprechender Namibischer Gemütlichkeit.

Der Spruch des Tages kommt 40m nach der Flughafenausfahrt in Richtung erster Unterkunft in Windhoek von Nicoletta mit leicht vorwurfsvoller Stimme: „Und wo sind jetzt die Tiere?“

Im „Casa Piccolo“ werden wir mit einem herzlichen „Guten Morgen“ und super Gastfreundschaft begrüßt. Dank der kids bekommen wir noch ein gutes englisches Frühstück, allerdings ohne Bacon & Egg. Auch der Bezug der Zimmer geht früher als erwartet vonstatten, die drei Mädels beschlagnahmen während dessen die drei einzigen Liegen am Pool und machen erst einmal ein ausgedehntes Nickerchen. Diese erblickend fragt der 8 jährigen Sohn des Hause voll entsetzt seine Mutter: „Was ist denn hier los, so viele Kinder?

Nach ausgedehnter Schlafpause geht es in die City, die wir jedoch im ersten dynamischen Anlauf gleich verfehlen. Frankfurter Maßstäbe gewohnt, waren wir bei Tempo 45 doch zügig am Stadtkern vorbei gefahren. Windhoek ist eine kleine nette Stadt mit Ministadtkern und viel deutschem Einfluss, nicht nur zu erkennen am Fluss „Bismarck“, der „Louisen-Apotheke“ sowie diversen typisch deutschen Straßennamen wie z.B. „Lutherstrasse“. Das Spektakuläre hat sich uns noch nicht gleich erschlossen, aber wir werden Ende des Monats noch 2 Tage hier sein.

Zur großen Freude unser Mädels fand sich schnell eine Bar mit dem Notwendigsten: „POMMES“ und Ketchup gab’s ... und damit war die Welt endgültig wieder hergestellt.


Einige Impressionen

„Ruhe vor dem Sturm!“ – München 4.10.2009



„Was geht hier ab? Ankunft Windhoek 7.00 Uhr früh – Übernachtflug


Große Erleichterung: Die erste Portion Pommes –Windhoek 5.10.2009



Ein bisschen Kultur: Christuskirche von Windhoek , 5.10.2009 nicoletta und opi


6.10.2009 – 8.10.2009 – Sachunterricht hautnah

Nun wird’s ernst. Zeitig brechen wir auf. Unser erster Tag mit Linksverkehr, Schotterstrasse etc. steht bevor. Auf der C1 in Süden gelangen wir über Rehoboth ohne große Komplikationen in die Kalahari Wüste. Unser sportlicher Caravelle - im modischen weiss gehalten - mit der „Massmann Party“ on board fährt uns souverän über die ersten Schotterpisten, die in der Tat etwas gewöhnungsbedürftig sind und wir Jimmy, einem erfahrener Tour Guide, den wir in der Casa Piccolo kennenlernten, nur Recht geben können, dass schneller als 80km auf Schotterpisten wenig Sinn machen, wenn man sicher gehen will, dass man nicht im Sand landen möchte. Die Landschaft zieht an uns vorbei geprägt von einer Weite und Trockenheit an die sich unser Auge erst noch gewöhnen muss. Viel Gegenverkehr haben wir nicht, umso mehr Respekt hat jeder Fahrer wenn dann noch mal ein grosser LKW oder Pkw entgegen kommt. Hin und wieder sitzt eine Gruppe von Menschen am Strassenrand in the middle of nowhere, welche die Kinder immer wieder zu den Frage hinreißen lassen: „Was machen die denn hier? Hier gibt es doch gar nichts.“ Auch Eselgespanne und Ponykarren voll geladen mit Passagieren oder Kisten passieren unseren Weg. Noch erschlägt uns die Hitze, wenn wir für eine kurze Pause aus unserem klimatisierten Luxusvan aussteigen. Nach ca. 280 km bzw. 4,5 Std. erreichen wir die Einfahrt zur Anib Lodge in der Kalahari Wüste. Wohin das Auge blickt: Sand, heisser rötlicher Sand, der das typische Merkmal der Kalahari Wüste darstellt, die inzwischen als Halbwüste eingestuft wird. Sehr freundlich werden mit einem Glas Orangensaft im fliessenden Englisch und Deutsch begrüßt. Wie bereits in unser ersten Unterkunft teilt sich der Massmann-Clan wieder 2 Doppelzimmer mit einem Beistellbett. Die Aufteilung sieht wie folgt aus: Frauen und Männer getrennt, d.h. wenn einer der Mädels gnädig ist, dann übernachten sie auch mal bei dem Vater. Aber das ist noch die Ausnahme und durchaus verbesserungswürdig. ...Opi Eberhard ist sowie so aussen vor.

Unsere ersten Safaris begeistern uns alle und wir bekommen einen ersten Eindruck von der Tiervielfalt Namibias. Die Mädels – vor allem Nicoletta ist voll dabei – finden die Tour in dem offenen 4x4 spannend und beweisen beste Adleraugen beim Tierspotten, die ein Fernglas unnötig machen. Antonia’s Vokabular beschränkt sich auf „Tier!“ aber wir sind froh, auch ihre Augen scheinen zumindestens in die Ferne nicht schlecht zu sein. Nicoletta nimmt jede „Safari-Fahrt“ mit, so dass sie ingesamt 3x in der Kalahari Wüste auf Tour geht und auch die 6.00 morgens Tour voller Begeisterung mitfährt. Vor allem sehen wir rund um die Anib-Lodge Springböcke, Oryx-Antilopen, Kuhantilopen, Eland-Antilopen, Zebra’s und Gnus. Friedlich grasen verschiedenste Tiersorten nebeneinander und machen einem bewusst wie wenig tiergerecht doch viele Zoos sind. Jede Abendsafari wird gekrönt mit einem Sundowner auf dem Kamm der Sanddünen. Stilvoll mit karieter Tischdecke und einer Auswahl von diversen alkoholischen Getränken genießen wir den Sonnenuntergang in der roten Wüste. Die Mädels bauen Sandburgen im roten Sand und rutschen die Dünen hinab. Und wenn man mal genau in die Natur hinein hört, man hört kein naturfremdes Geräusch, das hat was.... Die Zeit zwischen den Safaris verbringen wir mit baden im kalten Pool oder in der Hängematte.... Nicoletta bekommt ein wenig Schulunterricht. Antonia hat mit neuen Zähnen zu kämpfen und zeigt sich nicht nur von ihrer besten Seite... Pommes stehen hoch im Kurs der Mädels und führen ganz klar in der Rankliste der typischen namibischen Kindergerichte...


Oryx Herde in der Kalahari Wüste


Springbock in der Kalahari Wüste


Gnu-Herde in der Kalahari Wüste




Eine Kulinarische Deutschstunde macht uns unser "Lehrerdasein" leicht


Der Bad Homburger Sandkasten kann hier leider nicht mithalten - Sundowner in der Kalahari Wüste






8.10.- 10.10.2009 – Canyon wir kommen – die südlichste Spitze unser Tour

Ca. 400km sind unser Tagespensum für heute. Wie viel Schotter, wie viel Strasse? Wir lassen uns überraschen. Wie sich das für anständige Deutsche gehört, wird alle 2 Stunde der Fahrer gewechselt, jeder Erwachsene muss mal ran. Wir fahren durch Mariental (ca. 13.300 Einwohner) - heißt in der Sprache der Namas staubiges Gebiet und so kommt es auch vor. Dennoch es gibt einen Spar und wir füllen Wasser/- Gummibärchen Vorrat auf und fahren weiter.... mehr war hier nicht zu tun. Keetmanshop ist der nächste Ort, der auch nicht viel größer ist. Nach einigen Unstimmigkeiten a) wo geparkt und in welchem der „zahlreichen“ Cafes – denn die Auswahl ist riesengross- Pause gemacht werden soll, bekommen wir doch unseren Kaffee

Langsam wir die Landschaft „steiniger“. Immer wieder sind die Strassen – natürlich Schotter- von riesigen rötlich farbigen Felsenformationen eingerahmt. Gegen 17.00 Uhr erreichen wir die Canyon Lodge in der Nähe des Fish River Canyon. Unser nächster Übernachtungsstop. Hier sind wir im Mountain Camp untergebracht ein

zugegebenermaßen sehr komfortables Selbstversorgercamp mit eingerichteter Küche. „Ein Viereck-Hof“ mit einem kleinen Innenhof ist unser neues zuhause für die nächsten 2 Tage. Ariane lässt es sich nicht entgehen und läuft - trotz Erkältung- eine Runde in dieser irren Kulisse, die geprägt ist, von rötlichen Felsformationen, Steppengras und Köcherbäumen.

Die Bewanderung des Fishriver Canyon erweist sich etwas mühsamer. Trotz einiger Trainingseinheiten im Taunus sind heute nicht alle Mädels für einen Marsch in stehender Hitze und Einsamkeit zu begeistern und die ganze Veranstaltung fällt ein wenig ins Wasser.... Wenn wunderts... Wir werden dran arbeiten... Unser Picknick-Stopp findet wesentlich früher unter gleissender Sonne statt und anschliessend drehen wir um... Opi Eberhard läuft die Tour noch zuende und berichtet uns anschliessend. Dennoch einen Eindruck dieses größten Canyons haben wir bekommen. Am Nachmittag gehen wir noch ne Runde schwimmen. Die Lage des Pools sprängt die gedanklichen Vorstellungen, umgeben von kolossalen Felsformationen, schaut man aus dem etwas kaltem Pool über die Steppe... gigantisch. Das Freibäder von Kronberg oder Königsstein können da leider nicht mithalten. Man gönnt sich also sonst nichts...





Das 3 Mädels Tri0

Die Mädels machen sich eigendlich ganz gut. Die alltäglichen Scherereien wie „das ist meins“ , „du bist Kak...“, „nein meine Mami“ laufen auch hier ganz normal weiter... nicht mehr, aber leider auch nicht weniger... So dass wir eigendlich ganz zufrieden sind, auch den regelmäßig unregelmäßigen Übernachtungswechsel haben vor allem die beiden großen recht unkompliziert angenommen. Leider sind wir alle noch angegrippt, was sukzessive durch alle „Kleingruppenmitglieder“ der Massmann Party durchgereicht wird und was trotz enormer Reiseapotheke schon zu einem Arztbesuch von Ariane und Alexia in Swakomund führte. Antonia hatte die ersten Tage sowohl mit Zähnen, Klimawechsel und Grippe zu kämpfen, was ihr/und uns dann auch ziemlich zu schaffen machte. Aber alles wird gut.... Alexia isst wie ein Scheunendrescher und wunderlicherweise ist Nicoletta derzeit das größte Pinzchen. Zum Glück gibt es noch Spagetti ohne alles... Antonia quasselt jeden Tag mehr und ihr Organ wird nicht gerade gemäßigter.

Ihr seht: Auch südlich des Äquators bleiben die Sorgen die gleichen....

Ein Problem konnten wir bis jetzt noch nicht lösen... Alexia hat sich ein Eis für eine trockene Windel verdient.... aber es gibt hier nur „Solero“ und Vanille-Eis was für die Mädels nicht akzeptabel ist... und deshalb wird lieber ganz auf Eis verzichtet wird. Aber auch hier werden wir noch eine Lösung finden.


9 Stunden „Banane fahren“ – die Lochmühle lässt grüssen – oder 540 km Schotterstrasse an einem Tag - 9.10. 2009

Was macht man mit den Kids, wenn 600 Tageskilometer auf dem Programm stehen?

Soviel malen, lesen, Geschichten erzählen geht gar nicht. Somit versuchen aus den 540km Schotterpisten das beste herauszuholen und erfinden „das Bananefahren“ bei jedem noch so leichtem Hügel geht Ruf durch das Auto „Banane“ – in Anlehnung an ein Karussell in der Lochmühle – eine Idee von Nicoletta. Abschnallen ist durchaus mal erlaubt, auch mal bei dem Beifahrer vorbei schauen oder das Steuer in die „Hand nehmen“ wird genehmigt... und lenken alle Beteiligten vom Streckentrott ab. Erik’s iphone mit diversen Kinderlieder leistest einen wichtigen Beitrag zum Zeitvertreib. Die kids nehmen es erstaunlich gelassen und auch das Geruckel auf den Schotterpisten scheint ihnen längst nicht soviel anzuhaben wie uns. Die Landschaft ist absolut faszinierend und verändert sich langsam von der Halbwüste zur Steppe hin bis zur Wüste, die wir dann auch mit unserem Tageziel in der Namib Wüste erreichen. Diesmal eine größere – aber auch sehr schöne Lodge- direkt am Fusse von versteinerten Dünen. Landschaftlich sehr schön, aber Tiersafaries stehen hier nicht im Vordergrund

Die weltbesten Schotterpisten (Zitat des namibischen Tourismus Verbandes)



Shopping Center in the middle of nowhere zwischen Windhoek und Mariental


Übung macht den Meister


More to come... sowie wir wieder aus dem Bush raus sind - vor unserem Abflug nach Johannesburg hören noch voneinander, bis dahin lasst es Euch gut gehen. Liebe Grüße Eure 5 Massmänner und Opi (Eberhard Lewinski)