Montag, 11. Januar 2010

Weihnachten in der Wärme - 21.12.-27.12.2009

5 Tage Urlaub vom Urlaub bei Katharina, Oskar, Carlotta und Maurizia zu Besuch in Dehli . Es tut gut, mal mit viel Platz und nicht in einem Hotel o.ä zu wohnen. Wir können uns ein wenig organisieren, in Ruhe alle Sachen inklusive Schuhe - in einer gut funktionierenden Waschmaschine – durchwaschen, die Mädels tollen jeden Tag von morgens bis abends mit ihren Freundinnen im Garten herum und fahren abwechselnd Fahrrad oder Dreirad. Alle 5 Mädels verstehen sich bis auf die alltäglichen Quengeleien prächtig. Sandia, das Kindermädchen, wird schnell ins Herz geschlossen, auch Koch Harry und Fahrer Louis werden begeistert in Beschlag genommen.

Dabei kommt sogar Weihnachtsfeeling auf: die Frauen backen am 23.12. bei 20 Grad im Garten Kekse und ein Hexenhäuschen nach Oma`s Rezept, Erik und Oskar aktivieren erstmalig den Kamin, der bis dahin eine reine Dekofunktion hatte, für die doch kühleren Abende. Wir nutzen die Gelegenheit und gehen endlich mal wieder gemeinsam im Nero Park joggen. Ein schöner großer Park mit vielen morgendlichen Walkern und Joggern, kulturelles Highlight ist die blumengeschmückte Lenin-Statue in der Mitte. Auch können wir dank Katharina zur Abwechslung einmal ohne Kinder durch die Stadt laufen und ohne permanente „Nebenschauplätze“ die touristischen Attraktionen erkunden bzw. in die indischen Shoppingareas eintauchen und durch die Läden stöbern. New Dehli sieht im Vergleich zu Kolkatta recht modern und fortschrittlich aus, die Strassen sind asphaltiert, der Verkehr geprägt durch Pkw’s, Busse und motorisierte Rikschas (Tuk-Tuk). Dank Katharinas guter Ortskenntnisse werden schnell die Highlights herausgefiltert und entsprechend angesteuert. Kleinere, typisch indische Ladenpassagen ziehen wir den großen AC Shoppingcentern vor und sind immer wieder von der indischen Vielfältigkeit begeistert. Bunte Stoffe, schöne Antiquitäten, Ganesha’s in allen Formen und Materialien, tolle Papiere und Bänder sowie jegliche Form von Silberschmuck zu günstigen Preisen verführen gerade zum Kaufrausch. Wissend, dass wir nicht alles transportieren wollen und können und Oskar bei seiner nächsten Reise nach Deutschland nicht mit Übergepäck reisen soll, halten wir uns etwas zurück.

Wie es sich gehört schmücken wir am 23.12. abends - als alle Kinder schlafen -gemeinsam den Weihnachtsbaum. Eine gerade zu perfekt gewachsene indische Tanne ziert das Wohnzimmer und ist mit echten Kerzen und internationalem Weihnachtschmuck geschmückt. Ein guter Rotwein, der funktionierende Kamin sowie Oskars Vorliebe für nicht immer weihnachtliche deutsche Schlager heben die Stimmung. Eine derart entspannte „Vorweihnachstzeit“ hatten wir schon lange nicht mehr, keine Panikeinkäufe am 23.12. und auch das nächtelange Geschenke packen bzw. in letzter Minute zu versendende Weihnachtskarten fällt diesmal aus. Wir haben es nicht vermisst und bitten bei Patenkindern wie auch Freunden um Verständnis. Vielleicht machen wir es jetzt immer so...

Heiligabend feiern wir ganz traditionell. Mit der fröhlichen Großfamilie gehen wir am späten Nachmittag in den Gottesdienst der deutsch-christlichen Gemeinde. Während draußen der Alltag bei guten 20 Grad weiter seinen normalen Lauf nimmt und bei gleich bleibendem Lärmpegel die Autos und Tuk-Tuks mit entsprechendem Gehupe vorbeifahren, hören wir drinnen die Weihnachtsgeschichte und singen „Stille Nacht/ heilige Nacht“. Die Kirche ist weihnachtlich geschmückt, vor der Kirche ist aus Knetgummi die Weltkugel aufgebaut, Marie und Josef sind entsprechen darauf dekoriert, Mehl ersetzt den fehlenden Schnee.

Hierbei wird uns bewusst, wie sich Glaubensminderheiten an ihren jeweiligen wichtigen Feiertagen in Deutschland fühlen müssen. Wir feiern ein fröhliches und gemütliches Kinderweihnachten mit gutem Wein und zwei leckeren Weihnachtsgänsen. Nicoletta und Alexia freuen sich über eine echte indische Barbie (wenn schon Barbie dann wenigstens im Sari...), Oskar und Katharina freuen sich über die kleinen geräuschvollen handys von Maurizia und Carlotta, und natürlich kommt auch Antonia nicht zu kurz. Zudem erfreuen wir uns alle über 4 rechtzeitig geschickte Weihnachtspäckchen aus Deutschland.






Beim Skypen mit Mimi und Opi am 24.12.09

Nichtsahnend, dass der erste Weihnachtstag auch in Indien gerne als Feiertag begangen wird, ziehen wir als Großfamilie mit 4 Erwachsenen und 5 Kindern los, um die Highlights von Delhi zu besichtigen. Aufgrund der Masse Menschen, die sich überall tummeln und immer wieder bei Anblick der nun „5 Barbie Dolls“ ihre Photowünsche äußern, machen wir bald einen Rückzieher. Auch der letzte Versuch, den Mädels wenigstens eine Rutsch- oder Kletterpartie auf dem total überlaufenen Spielplatz zu gönnen, wird wegen überlanger Warteschlangen vor den Geräten kurzfristig abgebrochen. Chickenwings und Pommes von KFC werden zum Abschluss – entgegen der heftigen Aussage des Parkmanagements - in einem kleinen Park verzehrt, wo die Kinder relativ ungestört rumlaufen können und wir in Ruhe das indische Feiertagstreiben betrachten können.




Den 2. Weihnachtstag, nach eher zufällig genauerer Betrachtung der Abflugzeit leider entgegen langfristiger Annahme der letzte Tag in Indien, nutzen Erik und Ariane für einen gemeinsamen Besuch mit Oskar nach Alt-Delhi. Noch einmal stürzen wir uns in das pure Indien und inhalieren letztmalig die atemberaubende Vielfältigkeit dieses Landes und einer Menschen. Der Besuch der erhabenen Moschee mit Blick über das rote Fort erinnert uns an unsere Hochzeitsreise im Herbst 1997, anschließend schlendern wir durch die kleinen Gassen von Alt Delhi, lassen uns von dem geschäftigen Treiben mitziehen und genießen den Anblick der unterschiedlichsten „Spezialläden“: In einer Gasse befinden sich z.B. nur Papiergeschäfte, hier werden Geburtsanzeigen, Hochzeitsanzeigen und alles weitere auf Anfrage gefertigt. Amüsiert sehen wir, dass viele indische Geburtsanzeigen die Gesichter europäischer, blonder Babys tragen, die als wahres Schönheitsideal gelten. Kein Wunder das unsere Barbie Dolls in den letzten Wochen derart belagert wurden.



2 Strassen weiter wird neben schönsten Breitreifen und Alufelgen alles angeboten, was je mit einem Getriebe oder generell dem Motor eines Autos zu tun hatte. Alle diese Geschäfte sind im wahrsten Sinne des Wortes voll gestopft bis oben hin, egal ob mit Ersatzmotoren, Seide, Papier oder Kleidung. Einzig die farbenfrohe und ästhetische Präsentation der unterschiedlichsten Gewürze und Gemüse- bzw. Obstsorten setzt Maßstäbe.





Gegen Abend fahren wir ein letztes Mal in einer Fahrradrikscha aus den überfüllten Strassen Alt-Delhis gen Neu-Delhi, ein letztes Mal ziehen Ochsenkarren an uns vorbei. Eine tolle und spannende Zeit in einem facettenreichen Land geht zu Ende. Morgens früh um 1.00 geht unser Flieger nach Bangkok. Für uns war Indien wie Großmutters Schatztruhe, in der es immer aufregend war herum zustöbern. Es waren nicht nur schöne Dinge, die wir sahen und entdeckten, bettelnde kleine dreckige Kinder, die am Straßenrand schlafen oder die vielen Slums, die die Einfahrtstraßen bzw. Bahnschienen säumen, gehörten genauso dazu wie die Farbenvielfalt der unterschiedlichen Saries, die Kreativität und die besondere Freundlichkeit aller Menschen hier. Häufig haben wir gehört entweder man liebt Indien oder man hasst es. Wir haben das Land und seine Menschen geliebt und wir kommen wieder, denn bei weitem haben wir noch nicht das ganze Land gesehen. Trekking in Darjeeling oder auch eine Tour durch Kashmir stehen definitiv noch auf unser Wunschliste.


Kommentare:

  1. Hallo Nicoletta, wir haben eben mit Begeisterung eure Berichte gelesen. Ich finde es total spannend, was du schon alles gesehen und erlebt hast. Ich kann es kaum erwarten Dich wieder in der Hölderlin-Schule zu begrüßen, auch wenn es noch ein wenig dauert, bist Du wieder da bist! Ganz liebe Grüße, Deine Anna-Lena

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  2. Hallo Ihr Massmänner! Bin begeistert von Euren Berichten. Wünsche eine weiterhin so erfolgreiche Unternehmung in der großen weiten Welt. Immerhin haben wir in Hamburg 20cm Schnee :-)) Einen guten Start in 2010
    Eure Bärbel & Familie

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